Sonntag, 1. Mai 2016

Ein Ausflug in die Oberpfalz


Wir starten unsere Fahrt in Nürnberg und unser erstes Etappenziel ist Altdorf bei Nürnberg, die Stadt der Wallensteinfestspiele (denn hier studierte Albrecht von Wallenstein, der Herzog von Friedland).


Altdorf bei Nürnberg von franz-roth-tv

Unser nächstes Ziel (schon in der Oberpfalz) ist Gnadenberg mit seiner Klosterruine.


Kurz darauf, in Oberölsbach, biegen wir links ab Richtung Lauterhofen und erreichen nach kurzer Fahrt Kastl im Lauerachtal.


Auf der Klosterburg‬, einer ehemaligen ‪Benediktinerabtei‬, finden sich zwei Besonderheiten.

Da wäre zum einen die eigenwillige ‎Grabtumba‬ des Feldhauptmanns Seyfried Schweppermann, der für den Kaiser Ludwig den Bayern am 28. September 1322 die Schlacht von Mühldorf gewonnen hatte. Schweppermann zeichnete sich hier durch besondere Tapferkeit aus. Gemäß einer Anekdote hatten der Kaiser und sein Gefolge danach nur einen Korb mit Eiern zur Speise, und er entschied: Jedem Mann ein Ei, und dem braven Schweppermann zwei. Dieser Spruch wurde in das Wappen und in die Grabinschrift Schweppermanns zu Kastl (in der Kirche der Klosterburg Kastl) in der Oberpfalz aufgenommen. Und ganz oben sehen wir die berühmten zwei Eier.

Nicht mehr zu "besichtigen" war geraume Zeit das sog. Mumienkind von Kastl. Es handelt sich dabei um die jüngste Tochter Ludwigs des Bayern, die Prinzessin Anna, die im Alter von drei Jahren bei einem Aufenthalt in Kastl erkrankte und am 29. Januar 1319 verstarb und in Kastl beigesetzt wurde. Ursprünglich war der Leichnam des Kindes in einem zinnernen Sarg bestattet. Dieser war in einem Steinmal versenkt. Der Platz dieser Tumba war mitten im Schiff der Klosterkirche vor dem Kreuzaltar. Der uralte Altar wurde im Jahre 1679 abgebrochen. Im Jahr 1715 ließen die Jesuiten den Leichnam der Prinzessin aus dem Hochgrab herausnehmen und den als Mumie erhaltenen Leichnam in einem Eichenschrank aufbewahren. Nachdem Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen der Mumie zugesetzt hatten, wurde sie 2013 ein halbes Jahr in einen mit Stickstoff gefüllten Spezialschrein umgebettet sowie gereinigt. Mittlerweile wurde der Leichnam in einer speziell konstruierten Vitrine, die die Luftdruckunterschiede durch eine Art Kondensator ausgleicht und am 28. Januar 2014 in den zuvor renovierten Barockschrank eingepasst wurde, wieder ins „Paradies“ (die Vorhalle der Klosterkirche) zurückgebracht und soll darin, mit königlichen Insignien (wie stilisierter Krone und Wappen), weiter öffentlich zu sehen sein. Eine durchaus sehr makabre "Sehenswürdigkeit".

Von 1958 bis 2006 befand sich in den historischen Räumen des Klosters das Europäisch-Ungarische Gymnasium mit angeschlossenem Internat.

Wir fahren weiter durch das Lauterachtal und erreichen Schmidmühlen. Zur Sommerszeit genießen wir hier gerne ein Eis.


Weiter geht es durch das Tal der Vils nach Kallmünz.

Der idyllische Ort war und ist eine Künstlerkolonie. Im frühen 20. Jahrhundert lebten und arbeiteten hier Wassily Kandisky und Gabriele Münter. Sie verlobten sich in Kallmünz.


In Kallmünz gibt es eine ganz besondere Sehenswürdigkeit zu bestaunen: das Haus im Fels. Das Haus im Fels ist ein auch heute noch (jedenfalls im Sommer!) von seinen Besitzern bewohntes zweistöckiges Wohnhaus aus dem Mittelalter. Es besitzt kein Dach. Diese Funktion übernimmt die mächtige Felswand, in die das Haus hineingebaut worden ist.


Über Velburg erreichen wir dann den Habsberg, eine bedeutende Marien- und Krankenwallfahrt.


Die Wallfahrt auf den Habsberg (im oberpfälzischen Landkreis Neumarkt) zählt zu den bekanntesten in Bayern. Alljährlich pilgern insbesondere viele Kranke auf den Habsberg und bitten um Heilung von ihren Leiden. Zur Geschichte: Im Mittelalter befand sich auf dem Habsberg eine kleine Burg, von der aber nur noch die Zisterne erhalten blieb. Der Ursprung des Wallfahrtsortes geht auf den ersten Kapellenbau (1680) zurück. Historische Quellen besagen, dass Johann Panzer, Amtspfleger auf Burg Helfenberg an einem schweren Gichtleiden litt. Von seinem Krankenlager aus blickte er oftmals auf seine Marienfigur und flehte um Hilfe. Eines Nachts vernahm er eine Stimme, die ihn aufforderte, auf dem Habsberg eine Kapelle zu errichten. Panzer ließ sicht dorthin tragen. Er erwarb sich die Kuppe des Berges und ließ 1680/82 eine Kapelle in der Form eines kleinen Zentralbaues errichten. Die Marienfigur wurde als Gnadenbild dorthin gebracht. Panzer erlangte nach der Überlieferung Heilung. Nach mehreren Heilungswundern entstand 1730 an gleicher Stelle eine größere Kapelle. Die Kirche wurde 1760 im Stil des Rokoko erbaut. Ungebrochen ist die Anziehungskraft des Wallfahrtsortes auf Gläubige und suchende Menschen über die Region hinaus. Heute beherbergt der Habsberg auch ein Wallfahrts- und Jugendhaus.


Bild oben: Friedhof mit alten schmiedeeisernen Grabkreuzen, Habsberg, Oberpfalz, Bayern; Habsberg ist eine Wallfahrt, der Friedhof ist der Klosterfriedhof des Klosters Habsberg.

Auf der Tour zurück besuchen wir Erasbach.


Christoph Willibald Ritter von Gluck galt im 18. Jahrhundert als Erneuerer der Oper. Seine Wirkungsstätten waren die berühmtesten Opernhäuser Europas. Geboren wurde er 1714 im Dorf Erasbach in der Oberpfalz (Landkreis Neumarkt).

Danach passieren wir Freystadt und besuchen Mariahilf.


Freystadt - Maria Hilf - Wallfahrtskirche von franz-roth-tv

Die Wallfahrtskirche Mariahilf bei Freystadt in der Oberpfalz (Bayern). Hier haben Egid Quirin und Cosmas Damian Asam erstmals unter Leitung ihres Vaters als Freskanten und Srukkateure gearbeitet. Die Marienwallfahrt gehört zu den bedeutendsten Bayerns.

Unsere letzte Etappe ist dann Seligenporten.


In der Pfarrkirche der Gemeinde Seligenporten in der Oberpfalz (Landkreis Neumarkt) findet sich das mit über 600 Jahren älteste Chorgestühl Süddeutschlands, wahrscheinlich das älteste von ganz Deutschland.

Samstag, 30. April 2016

30. April - 1816 - 2016 - Vor 200 Jahren kam die Pfalz zum Königreich Bayern


Die Napoleonische Ära war Geschichte, auf dem Wiener Kongreß wurde Europa neu geordnet. Und zu den "Hinterlassenschaften" des französischen Kaisers gehörte auch das ehemalige Département du Mont-Tonnerre, das Donnersberg-Département, welches im wesentlichen die ehemalige wittelsbachische Kurpfalz umfasste. Und so wirde auch der Verbleib der Pfalz neu geregelt. Sie wurde 1815 zunächst dem Kaiserreich Österreich zugeschlagen, jedoch holten sich die Wittelsbacher im Vertrag von München am 30. April 1816 ihr altes Gebiet zurück, das mit diesem Vertrag Österreich an das Königreich Bayern abtrat.

So mag dieses Jubiläum uns Anlaß sein, die insgesamt weit über 600-jährige gemeinsame Geschichte Bayerns und der Pfalz ein wenig zu beleuchten und auch ein paar Orte zu benennen, die es sich zu besuchen lohnt.

Die "alte" Kurpfalz

Die Kurpfalz war dereinst wesentlich größer als die Gebiete, die 1816 an Bayern fielen, denn sie erstreckte sich auch rechtsrheinisch.


Heidelberg war die Hauptstadt der Kurpfalz gewesen. Genauer: Eine von zwei Hauptstädten. Denn die Pfälzer Wittelsbacher hatten auch Besitz weitab von Rhein und Neckar, im Osten, Bayerns, die Oberpfalz. Und dort gab es natürlich auch so etwas wie eine Hauptstadt, eine Residenz. Die hat im Laufe der Geschichte mehrfach gewechselt. Meist war es Amberg, aber auch Sulzbach oder Neumarkt (folgendes Bild).


Noch gut erkennbar ist die einstige Zusammengehörigkeit der Pfalzgrafschaft bei Rheyn, wie die Rheinpfalz im Mittelalter hieß, das Kurfürstentim Pfalz, und der "Pfalz Land in Baiern", der damals gebräuchliche Begriff für die "Obere Pfalz", am gemeinsamen Wappen.

Dieses Wappen zeigt links im Schild die weiß-blauen Wittelsbacher Rauten und rechts auf schwarzem Grund den Pfälzer Löwen.

Ja, den Pfälzer Löwen, nicht den bayerischen Löwen, denn den gibt es überhaupt nicht!

Auch der im heutigen Wappen des Freistaates gezeigte Löwe ist der Pfälzer Löwe und steht für die alten pfälzischen Gebiete Bayerns.

Das Foto links zeigt das Rathaus von Maikammer in der Pfalz mit dem Pfälzer Wappen.

Die weiß-blauen Rauten stammen übrigens aus Niederbayern. Ganz genau aus Straubing. Vom Bogenberg. Hier waren die Grafen von Bogen beheimatet, deren Geschlecht, wie es so hieß, im Mannesstamme ausgestorben ist und deren Wappen, die Rauten, ihre Erben, die Wittelsbacher übernommen haben. Wir sehen den Bogenberg über der Donau im folgenden Bild. Der Bogenberg ist übrigens eine der bedeutendsten Marienwallfahrten Bayerns.


Das linksrheinische Territorium des Königreiches Bayern wurde von 1816 bis 1837 als Rheinkreis bezeichnet.

1837 wurde der Rheinkreis in Pfalz umbenannt.

Auch die Bezeichnung Rheinpfalz war gebräuchlich und wird heute so auch noch von der Oberpfälzern zur Unterscheidung zu "ihrer" Pfalz benutzt.

Das Gebiet blieb, mit Ausnahme des 1920 abgetrennten Teils, der ungefähr dem heutigen Saarpfalz-Kreis entspricht, bis zur Gründung des Landes Rheinland-Pfalz am 30. August 1946 bayrisch.

So finden wir noch eine Reihe von Zeugnissen der bayerischen Zeit, etwa das "Forum Alte Post" in Pirmasens, das ehemalige Königlich Bayerische Postamt.